Moin & Machen | NotAllPlastic

Das letzte Mal bei Moin & Machen haben wir uns vorgenommen, auf das Thema Müll und Plastik aufmerksam zu machen. Denn derzeit ist es wohl kaum zu übersehen, dass es sich um eine der großen, weltweiten Herausforderung handelt, die Welt von Plastik zu befreien und vor allem die Welt vor nicht enden wollenden Müllfluten zu schützen. Um nicht nur das Plastik-Problem zu begreifen, sondern auch Lösungsansätze zu vermitteln, haben wir die Community und Interessierte am 18. Februar ins Impact Hub zusammengetrommelt. Wir hatten natürlich auch wieder spannende Gäste eingeladen, nämlich die Plastik- Verwerter*innen und -Bekämpfer*innen höchstpersönlich.

Die Plastik-Bezwinger: Wildplastic

Chris durfte den Anfang machen. Er erklärte uns, dass die Abfallwirtschaft und das Recycling z.B. in der EU einigermaßen gut funktionieren, aber in vielen Entwicklungsländern gar nicht oder unzureichend ausgebaut seien. Dies führe zu einer erschreckenden Zahl: Etwa 79% des weltweit produzierten Plastik wird weder verbrannt oder recycelt. D.h. es gelangt einfach in die Natur oder bleibt auf Müllhalden liegen. Das Plastik zersetzt sich nur langsam und findet seinen Weg z.B. in die Weltmeere und von dort – Achtung! in unsere Atemwege und Verdauungsorgane. Etwa 5-6 Gramm pro Monat, was etwa dem Gewicht einer Kreditkarte entspricht. Guten Appetit?

Das Wildplastic Start-Up hat sich unter den auf der Welt befindlichen Plastikarten dem “wilden” Plastik angenommen. Zur Erläuterung: “Darunter verstehen wir Plastik aus der Natur, von den Straßen, von offenen Müllkippen, vom Strand oder aus dem Meer. Alles, was außerhalb des geschlossenen Recycling-Kreislaufs ist und – getreu unserem Motto “Recovered from nature” – aus der Natur geholt werden muss. Uns geht es darum dafür zu sorgen, dass kein neues Plastik (Virginplastic) produziert wird, das die Umwelt verschmutzen könnte. ” (Wildplastic)

Das von verschiedenen Plastiksammel-Organisationen (u.a. plasticbank, the ocean cleanup, plastics for change, empower […]) gesammelte Plastik wird zu Wildplastic geliefert. In der Fabrik wird es dann zum ersten Wildplastic-Produkt weiterverarbeitet: einer Mülltüte! So wird das wilde Plastik wieder gebändigt und zurück in den Recycling-Kreislauf geführt.

Neugierig geworden? Mehr Infos zu Wildplastic auf der Homepage und Social Media (Facebook, Instagram).

Ein Wettlauf gegen Plastik: runamics

Steffen von runamics hat mit seinen Co-Foundern eine Sportbekleidungslinie enwickelt, die auf biologisch abbaubare Polymere als auch Natur- und Regeneratfasern setzt. Er ist selbst leidenschaftlicher Läufer, hatte aber immer wieder ein ungutes Gefühl, wenn er seine mit Plastik durchzogenen Sportklamotten in die Waschmaschine geworfen hat. Denn ein Großteil des in die Natur gelangten Plastiks gelangt durch den Abrieb der Kleiung beim Waschvorgang über das Abwasser in Flüsse, Seen und Meere.

Neben Umweltfreundlichkeit setzt runamics auch auf Langlebigkeit: Den Kundinnen und Kunden steht u.a. ein repair & care Programm zur Verfügung, wie man es beispielsweise auch in ähnlicher Weise vom Outdoor-Riesen Patagonia kennt.

Mehr Infos zu runamics auf der Homepage und Social Media (Facebook, Instagram).

Dem Plastik-Problem ins Gesicht sehen: Generation Act #letsfacethewaste

Bei Generation Act dreht sich alles rund ums Machen. Denn jedermann und jedefrau kann etwas für eine nachhaltige und faire Welt tun, ganz unabhängig von Alter und Herkunft. Im Rahmen von Vorträgen, Workshops und Aktionen inspiriert das Team zum Mitmachen und zeigen, wie und wo jeder Einzelne von uns bei sich im Alltag anfangen kann. Die Initiative ist eng vernetzt mit dem Verein “Zero Waste Hamburg” – gemeinsam engagieren sie sich insbesondere zum Thema Zero Waste & Müllvermeidung. Katrin hat Generation Act vertreten und zum “einfach machen” motiviert. Übrigens gibt es einen gleichnamigen Podcast: #einfachMACHEN.

Mehr auf Social Media (Facebook, Instagram).

Am Anfang schon das Ende im Sinn : Cradle to Cradle (C2C)

Andreas, der sich ehrenamtlich für die Regionalgruppe Hamburg der Cradle to Cradle NGO engagiert, stellte die C2C-Denkschule und das C2C-Designkonzept vor. Es handelt sich dabei um Prinzipien für eine stringent angestrebte Kreislaufwirtschaft, in der Materialien zirkulieren, die gesund für uns und unsere Umwelt sind. In einem geschlossenen technischen oder ökologischen Kreislauf können nach C2C designte Produkte sortenrein in ihre Einzelteile zerlegt und entweder wiederbenutzt, technisch recycelt oder wieder der Natur zurückgegeben werden. So soll alles, was wir nutzen, als ein Rohstoff oder Nährstoff für etwas Neues – eben “von der Wiege zur Wiege” – verstanden werden. Das alles basiert selbstverständlich auf der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Ressourcen. Das C2C-Konzept geht hierbei über den Ökoeffizienz-Gedanken hinaus. Anstelle nur die Optimierung der Ressourcen und Energie-Ströme von Produktherstellung bis zur -Entsorgung zu betrachten, steht die “Ökoeffektivität” eines Produktes oder Unternehmens im Vordergrund, also die ökologische Gesamtwirkung, und durch ein Produktdesign für geschlossene Kreisläufe fällt erst gar kein Müll mehr an. Eine entsprechende C2C-Produktzertifizierung gibt es in verschiedenen Stufen von  Basic,  Bronze,  Silber,  Gold bis  Platin.

Die gemeinnützige Cradle to Cradle NGO mit Sitz in Berlin verfolgt einen Bildungs- und Vernetzungsauftrag: Das Konzept soll bei Unternehmen, in der Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft immer mitgedacht und ultimativ zur Selbstverständlichkeit werden.

Weitere Informationen zur Cradle to Cradle NGO auf der Homepage und im Social Media: FacebookInstagramTwitter. Infos zur C2C Regionalgruppe Hamburg findet ihr hier und auch auf Instagram.

Die Stadt von Plastik befreien: Die Stadtreinigung Hamburg

Neben den Start-Ups und gemeinnützigen Organisationen haben wir uns gefreut, dass auch die Stadtreinigung Hamburg (eine Anstalt öffentlichen Rechts) unter den Gästen war. Genauer gesagt waren Kay, Pressesprecher Stadtreinigung und seine Kollegin Loreta, Referentin für Umweltbildung, dabei und haben uns erklärt, was die Hamburger Stadtreinigung in Sachen Plastik schon alles unternimmt. Insbesondere zwei Dinge standen dabei im Mittelpunkt der Präsentation:

1.) Die “Zero Waste Map”-App

Die Zero Waste Map ist ein digitales Verzeichnis und Kartierungsprogramm, um sich als Verbrauer*in über Möglichkeiten des nachhaltigen Konsums in seinem Umfeld zu informieren aber auch eigenes „Insider-Wissen“ mit einzubringen: Wo gibt es den schönsten, am vielfältig sortierten oder günstigsten Zero-Waste Laden? Wo das süße Café mit den Pfand To-Go-Becher, das bis jetzt noch niemand so richtig entdeckt hat? Check it out!

Hier ein Promotion-Video zur App.

2.) Der Einkaufsguide

Der Einkaufsguide der Stadtreinigung ist eine Art Abfall-ABC und klärt über Verpackungen und deren Entsorgung auf.

Mehr Informationen zur Stadtreinigung auf der Homepage und Social Media (Facebook, Instagram, Twitter)

Zum Nachhaltigkeitsbericht der Stadtreinigung

Von Plastik zu Purpose

… Danke für die erkenntnissreiche Diskussion am Ende der Veranstaltung und das ausführliche Networking.

Das Thema Plastik lässt dich nicht los? Noch mehr Wissenswertes: Im Plastikatlas der Heinrich Böll Stiftung und hier erfährt man von weiteren spannenden Initiativen: Soulincubator Act on Plastic.

#moinundmachen geht im März in die nächste Runde. Dann kooperieren wir wieder mal mit On Purpose. Wir arbeiten gerade an einem Online-Format! (#Corona)

Moin & Machen | Impact Tour Winter Edition

Impact Tour? Da gab es doch schon mal was im Juni 2019! (Hier nachlesen)

… Und das kam so gut an, dass wir uns einfach ein weiteres Mal für so ein Eventformat gemeinsam mit dem Impact Hub entschieden haben! Das Prinzip? Unternehmen und Organisationen kommen nicht zu uns, sondern wir zu ihnen!

Tomorrow Bank

Naja, erstmal war dann die Tomorrow Bank doch im Impact Hub vor Ort – aber auch nur, weil das Impact Hub vorübergehend Untermieter von ihnen ist. Lilli Staack erklärte uns, was es mit der mobilen und nachhaltigen Bank auf sich hat. Sie betonte insbesondere, dass das unkomplizierte und smarte Banking über die App Eintritts-Barrieren senke und die nachhaltige Wirkung der Investitions-Projekte attraktiv für Menschen sei, die etwas bewegen wollen und ihr Geld bewusst nicht in beispielsweise Kohleausbau oder Rüstung stecken möchten. Insbesondere die jüngere Generation fühle sich hier angesprochen. Mehr zu Tomorrow.

Viva von Agua

Viva von Agua sind ja nun alte Bekannte bei Moin & Machen und haben uns schon öfter mit ihrer Anwesenheit und spannenden Inputs beglückt. Am 9.12. durften wir die Büroräume in der Nähe der U-Bahn Station Feldstaße besuchen. Arnd Boekhoff, Projektleiter bei VCA, erklärte uns wie die Organisation von VCA funktioniert. Ein neues Projekt ist die “Villa Viva”. Ein Lifestyle-Hotel für den guten Zweck. Wie es weiter geht? VCA veröffentlicht 4x im Jahr einen Newsletter … und daneben natürlich präsent in den sozialen Medien.

Stückgut – Unverpackt einkaufen

Vom VCA Büro ging es die Straße rüber zur Rindermarkthalle, einem kleinen Einkaufszentrum in dem sich auch der unverpackt Laden “Stückgut” befindet. Hier empfing uns Insa Dehne, eine der Co-Gründer*innen der mittlerweile schon zwei Läden (St. Pauli & Ottensen). Wir durften uns nach Ladenschluss umschauen, die Produkte erkunden und Insa mit Fragen durchlöchern. Wie finanziert man so einen unverpackt Laden? Welche Schwierigkeiten in der Logistik und Lagerung bringt der zero-waste Anspruch mit sich? Wieso ist unverpackt einkaufen verhältnismäßig teuer? … Es war ein schöner Austausch und sicher kommt der/die ein/e oder andere noch einmal mit etwas mehr Zeit zum Umgucken und Einkaufen vorbei.

… Beim anschließenden Glühwein trinken, fiel auf jeden Fall keinerlei Müll an, dafür gab es noch jede Menge gute Gespräche und mehrfach den Wunsch, dieses Format weiter zu führen. Wir nehmen uns das natürlich zu Herzen und für März 2020 ist in jedem Fall eine weitere Impact Tour eingeplant. Versprochen! Wo es hingeht? Dazu bald mehr z.B. auf unseren Social Media Kanälen.

#moinundmachen

Moin & Machen | Spotlight on Artivism

Beim Moin & Machen im November haben wir dem Thema “Artivism” eine Bühne geboten. Dabei ging es um eine Vermischung von Kunst und Aktivismus – eine besonders spannende Form sich und seinen Hoffnungen, Wünschen und Forderungen Ausdruck zu verleihen.

“Artivism ist keine Bewegung im eigentlichen Sinne. Es ist eher eine Haltung, eine Praxis in den fruchtbaren Grenzbereichen zwischen Kunst und Aktivismus. Artivism entsteht, wenn Kreativität und Widerstand ineinander fallen. Es ist das, was passiert, wenn unsere politischen Aktionen genauso schön werden wie Gedichte und genauso effektiv wie ein perfekt gestaltetes Werkzeug.” (Jordan 2016: 1)

Art creates water

In der Hamburger Artivism Szene sicherlich schon vielen ein Begriff ist die Millerntor Gallery. Ein “Social Artivism” Festival, das einmal jährlich im Millerntor Stadion des FC St. Pauli stattfindet und die Besucher*innen durch Kunst, Musik und Sport dazu inspirieren soll, sich gesellschaftlich zu engagieren. “Wir transformieren Kunst in Spenden für unsere Projekte”, erklärte Micha Gab, der uns an dem Abend eine spannende Präsentation vortrug. Er hatte auch ein paar Zahlen parat: 17.000 Besucher*innen zählte die Millerntor Gallery im Jahr 2019 und sammelte 140.328,64 € Spendengelder ein. Wahnsinn! Aber die Wirkung der Veranstaltung lässt sich nicht nur in Zahlen messen. Es geht darum selbstwirksam zu werden, sich auszuprobieren, kreativ zu sein und mit anderen in Kontakt zu treten. “So können auch über die MTG hinaus gesellschaftliche Veränderungsprozesse in den Gang gesetzt werden!” Neugierig war das Publikum darauf, wie die Millerntory Gallery eigentlich finanziert wird und was eigentlich Viva von Agua damit zu tun hat. Es verhält sich folgendermaßen: Die Viva von Agua Arts gGmbH wurde 2016 von Viva von Agua gegründet und kann als Social Business bezeichnet werden – sie untertstützt die Projekte des Vereins mit dem Schwerpunkt der Organisation von Veranstaltungen (wie eben der Millerntor Gallery) und Kunstprojekten (sog. “murals”, “art rooms”, Kunstdrucke …). Ein Blick auf die “Transparenz”-Seite auf der Homepage verrät: “Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. ist Mitgesellschafter der Viva con Agua Wasser GmbH und der Goldeimer GmbH und hält jeweils 20% der Anteile. Außerdem ist der Verein Mitgesellschafter der Viva con Agua Arts gGmbH und hält 40% der Anteile.” Wer jetzt noch neugieriger geworden ist: Hier gibt es die Jahresabschlüsse mit spannenden Zahlen, Informationen und Geschichten! … Und wer bei der nächsten Millerntor Gallery mithelfen möchte, der kann übrigens einfach zu einem der nächsten Teamtreffen kommen. Micha freut sich auf euch! Wir sind gespannt auf MTG #10 im nächsten Jahr und hoffen, dass man sich dort wiedersieht.

Was geht hier vor?

Andreas Benzdorf hat Kommunikationsdesign studiert und lieferte uns tolle Einblicke in eines seiner Praxisprojekte “vor-gänge / Museum für alternative Stadt im Hamburger Gängeviertel”.

“Wir organisieren, gestalten und bauen ein Museum für alternative Stadt. Gemeinsam wollen wir einen fast vergessenen Teil der Geschichte Hamburgs wieder sichtbar machen — an einem Ort, der inspiriert: dem Gängeviertel. Außerdem möchten wir einen Gesprächsraum schaffen, der Platz für Information, Diskussion und aktive Teilhabe für und über die Stadt bietet. ” (vor-gänge auf startnext)

Schnell wurde einem klar, dass es hierbei nicht nur um Credit Points ging, sondern für Andreas und seiner Kommiliton*innen und Untertsützer*innen ein richtiges Herzensprojekt wurde und ist. Hier geht’s zu einem Artikel über das Projekt.

vor-gänge Museum bei Instagram folgen.

Die Welt vor lauter Bäumen sehen

Einen nächsten Input gab es von Cordula Wellmann vom Wälderhaus. Sie stellte die konsumkritische Kunstausstellung „Heiliger Müll“ vor. Besonders zur Weihnachtszeit eine gute Möglichkeit, auf Geschenke und Geschenkeverpackungswahn hinzuweisen und zum Umdenken anzuregen. Cordula ist übrigens seit neuestem Leiterin von RENN.nord.

Das Impact Hub wird zur Ausstellungsfläche

Jede eingeladene Initiative stellte sich an diesem Abend dem Publikum vor. Hauptanliegen von uns war an diesem Abend jedoch nicht nur eine Bühne zu bieten, sondern das Impact Hub auch zu einer kleinen Ausstellungsfläche umzufunktionieren.

Nico Scagliarini – The warmest place on earth

“Earth was there long before humanity and will exist long after we’re gone. I want my work to be a reminder that what’s really at stake is the future of our civilisation, and that if we want to preserve it, it is our responsibility to change our path. ” Nico Scagliarini

Auch aus unseren eigenen Reihen gab es einen Beitrag zum Thema Artivism. Nico ist bei uns im Changestarters Team insbesondere für tolle Veranstaltungsfotos verantwortlich. Neben ihrem Engagement für #moinundmachen ist sie auch beruflich als Fotografin tätig. Ihr eigenes Projekt ist u.a. “The warmest place on earth” . Ein Text/Foto-Blog zum Thema Klimawandel.

Nico bei Instagram folgen.

El tunche collectiv

Das El tunche collectiv ist eine Cumbia Ragga Hip Hop Punk Band und besteht aus Kuto Quilla, Allan Corrales, Yeimi Pineda, Beatris De Santiago und Carlos Torres. Die Gruppe setzt sich mit den Auswirkungen des Kapitalismus und korrupter Politik in Mittel- und Südamerika auseinander.

El tunche collectiv anhören.

Plastic: Reduce & Reuse

Wir haben uns sehr gefeut, dass wir einige Nachwuchskünstler*innen bei Moin & Machen begrüßen durften. Einige haben sich noch nicht so oft ins Licht der Öffentlichkeit getraut. So auch Katja, die sich mit dem Thema Plastik auseinandergesetzt hat und für uns Skulpturen und Fotos mitgebracht hat. Sie zeigt, dass man aus Plastikmüll noch Upcycling-Kunst machen kann. So wird die Wertigkeit des Rohstoffs sichtbar und er landet dann hoffentlich irgendwann wieder in einem geschlossenen Kreislauf der Müllwirtschaft – und nicht in der Natur.

eins.punkt

Valentina ist UX Designerin und zeichnet in ihrer Freizeit. Ihre Illustrationen zeigen Frauen, die sich in Alltagssituationen befinden. Valentina setzt sich kritisch mit den Themen Arbeitswelt und Körperidealen auseinander.

Es war ein richtig schöner Auftakt und wir haben Lust dieses kreative Format irgendwann zu wiederholen. Danke an alle Gäste und Artivists!

Im Dezember fahren wir wieder mit einer Winter-Edition der Impact Tour auf.

Dabei?

#moinundmachen

Quellen:

Jordan, John (2016): Artivism. Degrowth mit Fantasie beleben. S. 1. (Letztes Abrufdatum: 07.12.2019)

Moin & Machen | Change the System

Bei der „Moin & Machen“ Oktober 2019 Ausgabe haben wir uns mit dem Thema Systemwandel beschäftigt. Es gibt so einige Fragen, die uns umtreiben. Zum Beispiel diese:

Wie sieht ein Wirtschaftssystem aus, mit dem wir gut und nachhaltig leben? Ist es möglich, die Wirtschaft von innen zu verändern? Was ist dafür notwendig? Müssen wir Nachhaltigkeit und soziale Ziele durch Zahlen legitimieren oder können wir die Logik der Gewinnmaximierung insgesamt in Frage stellen?

Um der Beantwortung der Fragen etwas näher zu kommen, haben wir Menschen eingeladen, die die Wirtschaft jetzt schon anders gestalten. Wir wollten nicht nur theoretisch diskutieren, sondern ganz praktisch wissen, welche neuen Ansätze es schon gibt. Dafür haben wir drei tolle Expertinnen und Experten gewinnen können.

Dirk Grahl hielt die Fahne für die GLS Bank hoch, Varena Junge war für Enyway gekommen und die Purpose Stiftung war durch Jakob Willeke vertreten.

Ich oder du? Wir oder ihr? Wer trägt wo und wie Verantwortung für Nachhaltigkeit?

Ja, jede und jeder Einzelne von uns kann tagtäglich sein Verhalten überdenken, nachhaltig konsumieren oder sich der Konsumwelt mal für einen Moment oder auch langfristiger entziehen. Wir wollten aber wissen, wie die Wirtschaft sich selbst von innen heraus verändern kann, unter welchen Bedingungen und mit welchen Zielen vor Augen. Uns ging es also um den Spielraum, den Unternehmerinnen und Unternehmer haben. Die zentrale Frage dabei war:

„Welche Utopien können wir uns für die Zukunft ausmalen und was genau heißt das für heute und für morgen?

Das machen unsere Gäste in ihren Unternehmen konkret anders:

Finanzbranche: Kredite für nachhaltige Unternehmer*innen in Deutschland

Dirk Grahl ist Regionalleiter bei der GLS-Bank in Hamburg und arbeitet dort schon seit mehr als 45 Jahren. Die GLS-Bank sei, so Dirk, damals in den Anfängen wie eine Art Selbsthilfegruppe aus Mitgliedern und Kunden gewesen. Nun ist die Bank die Nr. 1 Nachhaltigkeitsbank in Deutschland. Aber das Credo der GLS Bank sei immer schon ganz klar: Geld muss für den Menschen arbeiten und nicht andersherum. „Geld ist dafür da Ideen zu verwirklichen.“ Und da kämen Unternehmer*innen ins Spiel. „Das erste Bedürfnis eines Unternehmers ist das Kreditbedürfnis, um unternehmerische Ideen in die Welt zu tragen und zu verwirklichen. Diese Menschen kommen entweder auf uns zu oder wir finden sie auf. Das ist der Auftrag, den wir von unseren Kunden bekommen.“

Dirk erklärte auch, dass das Finanzsystem in seiner derzeitigen Verfassung sehr ungesund sei: Die Beziehung zwischen einem „zu viel Geld“ auf der einen und „zu wenig Geld“ auf der anderen Seite müsse langfristig besser ausbalanciert werden, am besten durch einen viel direkteren Kontakt von Finanzgeber und -nehmern.

Was macht die GLS Bank zu einer nachhaltigen Bank?

Energiebranche: Demokratisierung der Energiewende

Varena Junge von enyway war früher Greenpeace-Aktivistin und gründete dann zusammen mit anderen das Unternehmen, welches den Energiesektor revolutionieren soll. Eine wichtige Erkenntnis von Varena war nämlich, dass die Energiewende viel zu langsam heranschreitet, als für die Einhaltung von Klimazielen notwendig sei. Eine wichtige Statistik für Varena: „Interessant ist, dass nur 4% der Investitionen in die Energiewende durch große Konzerne getätigt werden. Der Rest kommt von Privatpersonen, Genossenschaften und anderen.“

Varena sei mit enyway zwar nur eine „Mücke im Raum“, weil das Start-Up noch recht klein ist, aber sie glaubt tief an die Veränderung, die sie herbeiführen können. Zwei Hauptziele verfolgt sie in ihrem unternehmerischen Tun: Dinge aktiv neu machen und Mehrwerte schaffen. Dafür müsse man Probleme zunächst verstehen und dann intelligent lösen. Mit enyway macht sie sich auf den Weg!

Wie funktioniert das Geschäftsmodell von enyway?

Langfristig unabhängige und sinnorientierte Unternehmen schaffen

Unser dritter Gast in der Runde war Jakob Willeke, der als Berater bei der Purpose Stiftung tätig ist. Die Stiftung wirbt für „Sinnmaximierung vor Gewinnmaximierung“ und berät Unternehmen dabei wie Eigentum neu gedacht werden kann d.h. Eigentümerstrukturen die verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln ermöglichen. Außerdem investiert Purpose in solche Unternehmen in Verantwortungseigentum. “Es geht darum, Unternehmerschaft und Eigentümerschaft zusammenbringen. Die Eigentümer können also nur Menschen sein, die unmittelbar mit dem Unternehmen verbunden sind”, erklärte Jakob. Damit wird verhindert, dass Shareholder, die sich nicht für das Kerngeschäft interessieren Macht über operative Entscheidungen bekommen. Stattdessen kann so sicher gestellt werden, dass diejenigen, die am meisten von den Kunden und ihren Problemen verstehen, auch die Entscheidungen treffen können.

Was bedeutet Verantwortungseigentum?

Raum und Zeit für Utopien

Nach der Vorstellung der drei Beispiele waren alle Anwesenden eingeladen sich in die Diskussion einzubringen. Es wurden viele kritische Fragen gestellt und Vorschläge formuliert. Die Diskussion in allen Details wiederzugeben, würde diesen Blogbeitrag etwas sprengen. Aber ein paar Erkenntnissen sollen doch festgehalten werden:

  • Das Wirtschaftssystem ist von Menschen gemacht und es kann auch wieder von ihnen verändert werden.
  • Start-Ups sollten sich von vorhinein mit Zukunftsfragen beschäftigen und nachhaltige Unternehmensformen wählen.
  • Neben der Transformation der Wirtschaft wir sollten wir noch weiter immens politische und Bildungsarbeit leisten. Es braucht auch einen kulturellen Wandel, der mit dem Wirtschaftswandel einhergeht.
  • Wir müssen nicht alle neue Unternehmen gründen, auch als Arbeitnehmer können wir schon heute viele neue, wichtige Impulse setzen.
  • Lasst uns loslegen! Sozial-ökologisches Unternehmertum muss raus der Bubble – rein in die Sinnflut!

Danke für all die wertvollen Impulse und den Austausch.

Better business im betahaus

Dankende Worte gehen neben den Gästen und Speaker*innen an das betahaus Hamburg, dessen Räumlichkeiten wir nutzen durften. Der Geschäftsführer des Co-Workingspaces in der Schanze, Robert Beddies, war selbst zur Diskussion erschienen, da er gerade ein neues Projekt anstößt, welches das Thema des Abends auf unterschiedliche Arten und Weisen tangiert: Eine große Immobilie in Altona soll bald genossenschaftlich betrieben werden. Wir sind gespannt, welche Ideen du von Moin & Machen mit nach Hause genommen hast.

Also, liebes betahaus: Großartig, dass ihr auf so vielfältige Art und Weise Menschen zusammenbringt! Und nur bei Euch können sich unsere Speaker*innen in parallel stattfindende Veranstaltungen wie dem „Flirt, Liebe & Sex“-Coaching verlaufen und die Stimmung gleich am Anfang mit einer wirklich amüsanten Anekdote („Als ich das Wort ‚Dirty-Talk‘ hörte, wusste ich, ich war falsch!“) bestens auflockern. Danke, dass ihr so vielfältig, aufgeschlossen und unterstützend seid. Immer weiter so!

Juhu! Moin & Machen gibt es monatlich!

Moin & Machen findet das nächste Mal im November statt. Wir werden uns auf das Thema kulturelle Nachhaltigkeit stürzen und Künstler und Kreative zu uns einladen. Bei Facebook ist man am schnellsten informiert, wenn Datum, Ort und Programm feststehen. Aber auch über die Homepage stellen wir die Informationen schnellstmöglich bereit.

#moinundmachen

Veranstaltungstipps:

Climathon Hamburg 2019, Impact Hub
Transformationskongress 2019, RENN
Buchvorstellung „This is not economy“ mit Christian Felber, GWÖ

Weiterführende Links:

Wer mehr zum Thema Systemwandel lernen möchte: Ashoka hat eine sehr ansprechende Lernplattform entwickelt, die anschaulich erklärt, um was es dabei geht und was wichtig ist.

Moin & Machen | Back to the Roots

Nach einer Sommerpause starteten wir am 10. September in die nächste Runde Moin & Machen mit dem Untertitel „Back to the Roots“. Heißt? Es ging zurück zu den Wurzeln unseres Lebens, der Natur und dem Ökosystem, in dem wir leben und das ohne Wälder so nicht funktionieren würde. Es ging um Bäume und deren Bedeutung für unseren Alltag und ebenso für unsere Wirtschaft. Einhergehend damit, drehte es sich auch um die Ursprünge des Begriffs der Nachhaltigkeit, der aus der Forstwirtschaft entstammt: Fälle nur so viele Bäume, wie auch nachwachsen können. Heute ist die Definition aus dem Brundtland-Report von 1987 etwas verbreiteter. Dort heißt es „Humanity has the ability to make development sustainable – to ensure that it meets the needs of the present generation without compromising the ability of future generations to meet their own needs.” Ein klitzekleiner Streifzug durch die Theorie. Wir wollen die Praxis beleuchten.

Zunächst stellten sich nach einem kurzen Warm-up die Speaker*innen mit ihren Organisationen vor und hielten 5-minütige Kurzvorträge. Rainer Kant stellte die Organisationen B.A.U.M. e.V. und Robin Wood vor und führte in das Thema Wald ein – in seiner gesellschaftlichen als auch wirtschaftlichen Bedeutung. Es folgte eine Vorstellung von “The Generation Forest”, einer Genossenschaft, die Aufforstungsprojekte im Regenwald finanziert und betreut. Dafür war Tania Eke auf der Bühne – ihre Eltern haben das Projekt einst ins Leben gerufen. Dann durften wir Britta Lüpke auf der Bühne zuhören, die uns das Unternehmen Werkhaus vorstellte, das derzeit auch mit dem Projekt destinature auf sich aufmerksam macht. Dabei geht es um den Bau eines nachhaltigen Hüttendorfs, das aus nachhaltigen Materialien (sprich auch Werkhaus-Produkten) aufgebaut wird und Bewusstsein für Natur und umweltfreundlichen Tourismus fördern soll. Nach dem Input folgte eine anregende Diskussion, die so sicherlich noch Stunden hätte fortgeführt werden können. Aber wir hatten noch zwei weitere Gäste in petto.

Einige Male im Jahr kommt die Organisation On Purpose zu Besuch, um bei “Moin & Machen” die Chance zu nutzen, ihr Stipendienprogramm vorzustellen. Fabienne Gropengiesser erklärte uns, wie das Associate-Programm jungen, talentierten Menschen dabei helfen kann, Karriere im sozialunternehmerischen Bereich zu machen.

Zur Einstimmung auf das Networking, stellte Alexandra Werdes ihr kleines Eis-Imperium “Tofte-Eis” vor. Alexandras Idee ist es, Eis aus Heckenfrüchten herzustellen, zu verkaufen und Kunden glücklich zu machen, um danach ein Teil des eingenommenen Geldes in den Aufbau von Hecken zu investieren. “Für je 1.000 verkaufte Eis pflanzt Tofte 20 Meter Hecke aus heimischen Vogelschutzgehölzen neu an”, erklärte uns Alexandra. Das diene dem Schutz verschiedener heimischer Vogel- und Insektenarten und anderen Lebewesen. Danke für deinen Einsatz für mehr Biodiversität und die köstliche Erfrischung, die du in deiner kleinen Gefriertruhe für uns bereitgehalten hast.

Wo wir beim Bedanken sind: Thank you Impact Hub, Jose and Boris, for this great cooperation and for letting us take advantage of your facility!

Das nächste Moin & Machen | Change the System findet am 8. Oktober 2019 um 18:30 Uhr im betahaus in der Schanze statt.

#moinundmachen