Moin & Machen | Spotlight on Artivism

Beim Moin & Machen im November haben wir dem Thema “Artivism” eine Bühne geboten. Dabei ging es um eine Vermischung von Kunst und Aktivismus – eine besonders spannende Form sich und seinen Hoffnungen, Wünschen und Forderungen Ausdruck zu verleihen.

“Artivism ist keine Bewegung im eigentlichen Sinne. Es ist eher eine Haltung, eine Praxis in den fruchtbaren Grenzbereichen zwischen Kunst und Aktivismus. Artivism entsteht, wenn Kreativität und Widerstand ineinander fallen. Es ist das, was passiert, wenn unsere politischen Aktionen genauso schön werden wie Gedichte und genauso effektiv wie ein perfekt gestaltetes Werkzeug.” (Jordan 2016: 1)

Art creates water

In der Hamburger Artivism Szene sicherlich schon vielen ein Begriff ist die Millerntor Gallery. Ein “Social Artivism” Festival, das einmal jährlich im Millerntor Stadion des FC St. Pauli stattfindet und die Besucher*innen durch Kunst, Musik und Sport dazu inspirieren soll, sich gesellschaftlich zu engagieren. “Wir transformieren Kunst in Spenden für unsere Projekte”, erklärte Micha Gab, der uns an dem Abend eine spannende Präsentation vortrug. Er hatte auch ein paar Zahlen parat: 17.000 Besucher*innen zählte die Millerntor Gallery im Jahr 2019 und sammelte 140.328,64 € Spendengelder ein. Wahnsinn! Aber die Wirkung der Veranstaltung lässt sich nicht nur in Zahlen messen. Es geht darum selbstwirksam zu werden, sich auszuprobieren, kreativ zu sein und mit anderen in Kontakt zu treten. “So können auch über die MTG hinaus gesellschaftliche Veränderungsprozesse in den Gang gesetzt werden!” Neugierig war das Publikum darauf, wie die Millerntory Gallery eigentlich finanziert wird und was eigentlich Viva von Agua damit zu tun hat. Es verhält sich folgendermaßen: Die Viva von Agua Arts gGmbH wurde 2016 von Viva von Agua gegründet und kann als Social Business bezeichnet werden – sie untertstützt die Projekte des Vereins mit dem Schwerpunkt der Organisation von Veranstaltungen (wie eben der Millerntor Gallery) und Kunstprojekten (sog. “murals”, “art rooms”, Kunstdrucke …). Ein Blick auf die “Transparenz”-Seite auf der Homepage verrät: “Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. ist Mitgesellschafter der Viva con Agua Wasser GmbH und der Goldeimer GmbH und hält jeweils 20% der Anteile. Außerdem ist der Verein Mitgesellschafter der Viva con Agua Arts gGmbH und hält 40% der Anteile.” Wer jetzt noch neugieriger geworden ist: Hier gibt es die Jahresabschlüsse mit spannenden Zahlen, Informationen und Geschichten! … Und wer bei der nächsten Millerntor Gallery mithelfen möchte, der kann übrigens einfach zu einem der nächsten Teamtreffen kommen. Micha freut sich auf euch! Wir sind gespannt auf MTG #10 im nächsten Jahr und hoffen, dass man sich dort wiedersieht.

Was geht hier vor?

Andreas Benzdorf hat Kommunikationsdesign studiert und lieferte uns tolle Einblicke in eines seiner Praxisprojekte “vor-gänge / Museum für alternative Stadt im Hamburger Gängeviertel”.

“Wir organisieren, gestalten und bauen ein Museum für alternative Stadt. Gemeinsam wollen wir einen fast vergessenen Teil der Geschichte Hamburgs wieder sichtbar machen — an einem Ort, der inspiriert: dem Gängeviertel. Außerdem möchten wir einen Gesprächsraum schaffen, der Platz für Information, Diskussion und aktive Teilhabe für und über die Stadt bietet. ” (vor-gänge auf startnext)

Schnell wurde einem klar, dass es hierbei nicht nur um Credit Points ging, sondern für Andreas und seiner Kommiliton*innen und Untertsützer*innen ein richtiges Herzensprojekt wurde und ist. Hier geht’s zu einem Artikel über das Projekt.

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Die Welt vor lauter Bäumen sehen

Einen nächsten Input gab es von Cordula Wellmann vom Wälderhaus. Sie stellte die konsumkritische Kunstausstellung „Heiliger Müll“ vor. Besonders zur Weihnachtszeit eine gute Möglichkeit, auf Geschenke und Geschenkeverpackungswahn hinzuweisen und zum Umdenken anzuregen. Cordula ist übrigens seit neuestem Leiterin von RENN.nord.

Das Impact Hub wird zur Ausstellungsfläche

Jede eingeladene Initiative stellte sich an diesem Abend dem Publikum vor. Hauptanliegen von uns war an diesem Abend jedoch nicht nur eine Bühne zu bieten, sondern das Impact Hub auch zu einer kleinen Ausstellungsfläche umzufunktionieren.

Nico Scagliarini – The warmest place on earth

“Earth was there long before humanity and will exist long after we’re gone. I want my work to be a reminder that what’s really at stake is the future of our civilisation, and that if we want to preserve it, it is our responsibility to change our path. ” Nico Scagliarini

Auch aus unseren eigenen Reihen gab es einen Beitrag zum Thema Artivism. Nico ist bei uns im Changestarters Team insbesondere für tolle Veranstaltungsfotos verantwortlich. Neben ihrem Engagement für #moinundmachen ist sie auch beruflich als Fotografin tätig. Ihr eigenes Projekt ist u.a. “The warmest place on earth” . Ein Text/Foto-Blog zum Thema Klimawandel.

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El tunche collectiv

Das El tunche collectiv ist eine Cumbia Ragga Hip Hop Punk Band und besteht aus Kuto Quilla, Allan Corrales, Yeimi Pineda, Beatris De Santiago und Carlos Torres. Die Gruppe setzt sich mit den Auswirkungen des Kapitalismus und korrupter Politik in Mittel- und Südamerika auseinander.

El tunche collectiv anhören.

Plastic: Reduce & Reuse

Wir haben uns sehr gefeut, dass wir einige Nachwuchskünstler*innen bei Moin & Machen begrüßen durften. Einige haben sich noch nicht so oft ins Licht der Öffentlichkeit getraut. So auch Katja, die sich mit dem Thema Plastik auseinandergesetzt hat und für uns Skulpturen und Fotos mitgebracht hat. Sie zeigt, dass man aus Plastikmüll noch Upcycling-Kunst machen kann. So wird die Wertigkeit des Rohstoffs sichtbar und er landet dann hoffentlich irgendwann wieder in einem geschlossenen Kreislauf der Müllwirtschaft – und nicht in der Natur.

eins.punkt

Valentina ist UX Designerin und zeichnet in ihrer Freizeit. Ihre Illustrationen zeigen Frauen, die sich in Alltagssituationen befinden. Valentina setzt sich kritisch mit den Themen Arbeitswelt und Körperidealen auseinander.

Es war ein richtig schöner Auftakt und wir haben Lust dieses kreative Format irgendwann zu wiederholen. Danke an alle Gäste und Artivists!

Im Dezember fahren wir wieder mit einer Winter-Edition der Impact Tour auf.

Dabei?

#moinundmachen

Quellen:

Jordan, John (2016): Artivism. Degrowth mit Fantasie beleben. S. 1. (Letztes Abrufdatum: 07.12.2019)